Dienstag, 30. September 2014

Golden Plains - Broken Mirror

Titel: Golden Plains - Broken Mirror
Länge: 2122 Wörter
Genre: Angst, Hurt, Comfort
Fandom: Fairy Tail
Pairing: ArcadiosxHisui E. Fiore 
(Na, wer hätte DAS gedacht?!)


Na holla, da gibts ja schon wieder was!
Ich denke mal, jeder Fairy Tail Fan wird sich an das Kapitel "Golden Plains" erinnern, bzw. an die schmerzhaft-schöne Stelle, an der Lucy aus der Zukunft wieder mit ihren Gildenmitglieder vereint wird. Viele sind ja der Meinung, dass sie zu diesem Zeitpunkt wieder am Leben ist - ich bin ein Verfechter der Theorie, dass es vielmehr das Jenseits symbolisieren soll...und daher kam dann irgendwoher auch diese Idee.

Ich hab mich gefragt, was passieren würde, sollte Hisui in Zukunfts-Rogues Zeit sterben und was genau das für Auswirkungen auf meinen Herrn Ritter Arcadios haben könnte...ehm, das Resultat war, um ehrlich zu sein, ziemlich schmerzhaft.
Ich denke, den Rest kann man sich wohl beim Lesen denken...



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Er hatte sie nicht kommen hören.
Die Ebene, die sich vor ihm erstreckte – goldenes Gras, soweit das Auge reichte – war von einem sanften Wind erfüllt, der ihm so schmeichelnd über die Haut fuhr, dass er meinte, es wäre keine einfache Luftbewegung, sondern zarte Hände. Beinahe schon meinte er, die Finger zu spüren, diese zarte Haut, diese vertraute Wärme, ihre-
Arcadios weigerte sich, den Gedanken zu beenden. Blendete den Wind aus, was ihm nicht schwerfiel, da er absolut geräuschlos war...er hinterfragte nicht einmal erst, wie das möglich sein konnte.
Der Wind war geräuschlos, und doch hörte er das sanfte Rascheln des Grases zu seinen Füßen – über die letzten sieben Jahre waren seine Sinne wohl abgestumpft.
Früher einmal wäre er erschüttert gewesen, seine Fähigkeiten zu verlieren...und noch mehr darüber, wie wenig es ihn jetzt kümmerte.
Was brachten sie ihm noch?
Fähigkeiten brauchten ein Ziel, einen Nutzer, eine Aufgabe und er hatte seine Aufgabe schon vor Jahren verloren.
Unachtsamkeit, Unfähigkeit, die niederschmetternde Erkenntnis des eigenen Versagens.
Es hatte die Person, die er war, wie einen gesplitterten Spiegel zerbrechen, die Scherben ins lautlose Nichts fallen lassen. Unter einem Berg Erde, einem kalten, porösen Stein begraben. Mit ihr. Bei ihr. Dort, wo er hingehörte.
Dieser eine Augenblick, den er über alles gefürchtet hatte – dieser eine Gedanke, der es geschafft hatte, ihm einen so monströsen Albtraum zu bescheren, dass er schweißgebadet erwacht war.
Es war passiert.
Unachtsam. Unfähig.
Ein Albtraum in Menschengestalt, ein kleiner Wink des Schicksals, ein Schwerthieb der harten Realität, die ihn direkt in seinen eigenen Kopf verbannt hatte. In diese dunklen Gedanken, diese lebendige Nachtmahr – die einzige, die es noch geschafft hatte, sein Herz mit lähmender Panik zu erfüllen.
Sein Albtraum war passiert. Realität.
Und das Erwachen kam nicht.
Er hatte gewartet, gewartet, gewartet...war gefallen, gefallen, gefallen...
Ein zerbrochener Spiegel brachte sieben Jahre Unglück, so sagten sie, wenn man die Scherben aufsammelte.
Wie hätte ich sie finden sollen...?
Die Scherben, seine Scherben, sein Selbst...war verschwunden. Gefallen. Gefallen, und nie aufgeschlagen, immer noch in der Schwebe, nur Sekunden vor dem Fall, der ihm die Knochen brechen würde. Sekunden, die Jahre dauerten.
Mit ihr begraben.

Dort, wo ich hingehöre.
Irgendetwas in ihm hatte dagegen angekämpft. Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren – es existierten nur noch Momente, in denen die Klinge seines Schwertes am liebsten warmes Blut geschmeckt hätte. Selbst sein Eigenes.
Vorrangig sein Eigenes.

Es wäre verdient.
Er hatte diese Momente bevorzugt – denn die anderen waren der Albtraum. Der Albtraum, aus dem er noch zu erwachen hoffte, doch das wechselnde Spiel von Nachtmahr und Klinge hatten diese Hoffnung wie einen zweiten Spiegel zerschmettert, noch heftiger als den ersten.
Diese Scherben hätte er bergen können, doch...wozu noch?

Ritter. Der weiße Ritter...Er hatte keine Ahnung mehr, wann es passiert war. Oder wer es getan hatte. War es Acnologia, oder dieser Bastard von Dragon Slayer, der ihm mit einem einzigen Hieb das Fleisch von den Knochen getrennt, seinen Albtraum hatten zerbrechen lassen, wie facettenreiches Glas vor seinen Augen?
Er erinnerte sich an keinen Schmerz, und selbst wenn, es war ihm egal. Seit dem Albtraum hatte er nichts gefühlt – und wenn, er wäre daran zerbrochen. Sein Spiegel war bereits zerstört, was mehr konnte man vernichten?
Nichts zählte mehr.
Nichts. Nur das Erwachen.

Was für ein schlechter Witz.

Er hatte die Augen geschlossen, während er spürte, dass das Leben aus ihm floss, wie Wein aus einem riesigen Krug.

Und nun war er hier...
...erwacht.
Und trotz allem hatte er sie nicht kommen hören.
Er atmete aus.

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Sie war lautlos an ihn herangetreten – Arcadios hatte sie erst gehört, als sie hinter ihm stand, doch kümmerte es ihn nicht. Nichts kümmerte ihn mehr, selbst nun, da er aus seinem Albtraum erwacht war. 
Endlich.
Wenn auch anders, als er gedacht hatte.
Er konnte hören, dass es eine Frau war – kein Mann würde so sanft auftreten, selbst hier.
Er erinnerte sich daran, wie er den Mund geöffnet hatte, um zu fragen, wo er war – nicht, dass es ihn kümmerte, doch es erschien ihm logisch, zu fragen. Was sollte er sonst fragen?
Arcadios hatte sich umgedreht, die Worte schon auf der Zunge, die Lippen geöffnet, um ihnen Stimme zu verleihen – doch nichts kam heraus. Nicht einmal ein Atemzug.
Sie.
Sie.
Ihr Haar war genau so wie an dem Tag, an dem sie-
Seine Gedanken stockten, als er sie zurückhielt, wie so oft schon.
Leuchtend in der nicht vorhandenen Sonne, im Gold des schimmernden, wiegenden Grases, wehend im lautlosen, sanften Wind – ihr Haar war genau so, wie er es tagtäglich vor Augen gehabt, in seinen Träumen, egal ob am Tag oder in der Nacht, gesehen hatte...
Doch noch leuchtender waren ihre Augen, dunkler noch als ihr Haar, reich an ruhiger Klugheit, an ungewöhnlich viel Tiefe für ihr Alter...
Ihre Lippen trugen ein Lächeln, fein, zart und voller Freude...so nahm er an.
Es kümmerte ihn nicht. Nicht mehr.
Für einen Moment spürte er einen heißen Stich in seinem Bauch – war es Wut? Er hatte das Gefühl lange schon vergessen, es hatte ihn nie mehr gekümmert – er war aus seinem Albtraum erwacht, warum spielte ihm sein Geist nun wieder solche Streiche?
Er hatte sie oft genug gesehen, egal ob wach oder nicht, und jedes einzelne Mal hatte geschmerzt – bis er es irgendwann nicht mehr gespürt hatte.
Arcadios sah sie an, dieses Abbild von ihr, das unbeweglich vor ihm stand.
Nur ein weiteres Trugbild.
Und doch begann sein Herz zu rasen.

Sie bewegte sich, ihr Haar wippte im Takt zu jedem langsamen Schritt, den sie auf ihn zukam, während er keinen Muskel rührte.
Er konnte nicht anders, als sie anzustarren. Keines seiner Trugbilder hatte sich je bewegt...war es ein weiterer Wink des Schicksals, ein höheres Wesen, das seine morbiden Fantasien an ihm ausließ? Er zwang sich dazu, es zu ignorieren...es würde ihn nicht kümmern. Würde es das, würde all das zurückkehren, was er so sorgsam unter Gleichgültigkeit verschlossen und weggesperrt hatte, ins lautlose Nichts, zusammen mit den Scherben, die er nie gefunden hatte.
Er durfte nicht-

„Willkommen.“

Ihre Stimme ließ ihn zusammenzucken, er fuhr zurück wie ein verwundetes Tier; wie ein Blitzschlag jagte Schmerz durch seinen Körper.
Keines seiner Trugbilder hatte je gesprochen! Wer zur Hölle tat ihm das an?! Waren sieben Jahre, die nichts weiter als Folter gewesen waren, ohne Ziel, Aufgabe, ohne sie, denn nicht genug gewesen?!

Ihr Lächeln war wunderschön. Und doch jagte es weiteren Schmerz durch seinen Körper, als er sah, wie sich Tränen in ihren Augen sammelten, bereit jeden Moment über ihre hellen Wangen zu rollen.

Ich habe gewartet...“

Ihre Stimme … er erinnerte sich gut an sie, und hatte sie doch vergessen. Die weiteren Worte waren nicht mehr so schmerzhaft, wie ihr erstes es gewesen war, und doch antwortete er nicht. Was sollte er auch antworten? Sollte er mit einem Trugbild sprechen? Was würde das -

Er stockte, als sie mit einem Lächeln die Hand ausstreckte, während Tränen wie gläsernes Silber über ihr Gesicht rannen.
Ein Gedanke kam, ungebeten und doch ließ er ihn zu...was, wenn sich hier niemand einen morbiden Scherz mit ihm erlaubte, sondern...
Arcadios blockte den Gedanken ab, bevor er ihn zuende denken konnte.
Er war aus seinem Albtraum erwacht, also musste sie...musste sie...sie musste...

Er merkte erst, dass er sich bewegt hatte, als er direkt vor ihr stand, die Hand zögerlich erhoben, nicht um ihre Hand zu ergreifen, sondern...
Seine Finger waren nur Zentimeter, Millimeter von ihrer Wange entfernt.
Nur ein weiteres Trugbild?
Oder...oder...
Er zögerte – doch wieviel Schlimmeres konnte seinem Geist noch geschehen? Nur ein weiterer Albtraum unter den Tausenden, dem Einen, die er schon erlebt hatte.
Ein zerbrochener Spiegel, dessen Scherben im Nichts waren, konnte nicht erneut zerbrechen.

Sie bewegte sich nicht, sah nur zu ihm empor, während ihr noch immer stumme Tränen über die Wangen liefen - zuviel Leid, oder Freude, fragte er sich.
Sie standen so nah beieinander, dass er die Wärme ihres Körpers spüren konnte – nein, nein, das konnte nicht, sie konnte nicht...

Die Berührung sandte einen Schock durch seinen gesamten Körper und nur seine Überraschung hielt ihn davon ab, wieder auf Sicherheitsabstand zu gehen.
Unmöglich.
Sein Herz schien seinen Brustkorb sprengen zu wollen, während seine Finger zu zittern begannen. Wärme.
Er spürte sie. Spürte sie.
Ein Trugbild war nichts weiter als ein Bild, das verblasste, sobald man es zu greifen versuchte, das Abbild auf einem kalten Spiegel, und doch-
Er konnte spüren, wie das, was er so sorgsam weggesperrt hatte, sich regte, beobachtete wie durch Glas hindurch, wie es anklopfte, immer stärker wurde, sein sorgfältig angebrachtes Schloss zu zerbrechen drohte.
Wärme.
Menschliche Wärme, direkt unter seinen Fingern – kein Trugbild war zu so etwas in der Lage.

Ihre Lippen, eben noch zu einem Laut der Überraschung geöffnet, verzogen sich zu einem zitternden, kleinen Lächeln.
Er sah wie sie ihre Hand hob, die Seine damit berührte – und alles zerbrach.

Der Aufprall, auf den er seit Jahren gewartet hatte, kam so schnell, dass es ihm den Atem nahm.
Sein Mund öffnete sich wie von selbst, doch da war kein Wort, dem er hätte Stimme verleihen können - nur ein zitternder Atemzug.
Die Erkenntnis dauerte, sickerte ein wie Wasser, Tropfen um Tropfen – und jeder einzelne Tropfen brachte Gefühle mit sich, die er lange vergessen geglaubt hatte.
Er spürte keine Wärme unter seinen Fingern...er spürte Leben.
Sie war hier. Real.
Er spürte nicht, wie das Zittern seiner Finger nachließ, oder sein Herz einen Schlag aussetze – nur das Haar unter seinen Fingern, als er sie kurzerhand an sich zog.
Sein Körper mochte seine Ruhe wiedergefunden haben, doch sein Atem zitterte, er spürte wie jeder einzelne Atemzug schmerzte, schmerzte und doch genoss er jeden Einzelnen.
Das, was er weggesperrt hatte, hatte sein Gefängnis gesprengt und traf ihn mit der Macht eines Hammers, machte jeden Atemzug noch schwerer, als er ohnehin war.
Langsam, vorsichtig vergrub er seine Finger in ihrem Haar – er spürte es. Spürte sie. Ihre Wärme, ihren Atem, Gott, sie zitterte so sehr wie er selbst – ihren Herzschlag.
Er wusste, dass es zuviel auf einmal war, doch es kümmerte ihn nicht – es würde das letzte sein, was ihn je nicht mehr kümmern würde.
Schmerz jagte durch seinen Körper, zog seine Brust zusammen, als ihn seine Beine kurzerhand im Stich ließen und er auf die Knie sank, sie immer noch in den Armen.
Sie.
Ihr Name sprang in seinen Kopf, ohne das er es wollte, ohne das er es verhindern konnte.
Hisui.
Kein Name war jemals schöner gewesen, keiner würde es je sein. Niemals.
Er wollte ihn flüstern, ihn schreien, ihn aussprechen – doch mehr als ein Schluchzen kam nicht über seine Lippen. Fassung war nicht von Bedeutung, nichts war von Bedeutung, selbst als er spürte, wie Tränen seine Wangen hinabliefen.
Jeder zweiter Atemzug wurde ein abgehacktes Schluchzen, er weinte wie der Junge, der er vor Jahrzehnten gewesen war, doch er hatte sie wieder.
Sie, Hisui war hier in seinen Armen, und war real.
Sein Albtraum war vorbei – es hatte sieben Jahre gedauert, sieben lange Jahre, doch er war endlich erwacht und selbst wenn der Preis dafür sein eigenes Leben war, es hätte ihn nicht weniger kü- nein.
Und selbst wenn der Preis dafür sein eigenes Leben war, es hätte nichts gegeben, was er nicht im Tausch dafür angeboten hätte.
Und hier saßen sie nun, zwischen den Welten der Lebenden und der Toten, schluchzend, zitternd, mit tränenüberströmten Gesichtern, den jeweils anderen haltend, als hinge das eigene Leben davon ab.
Es fühlte sich so an, als wären Stunden vergangen, bis sein Schluchzen langsam verebbte, und Hisui sich von ihm löste und ihm aus geröteten Augen ein Lächeln schenkte, für welches er sie am liebsten wieder umarmt und nie mehr losgelassen hätte.
Sie hob eine Hand zu seinem Gesicht, wischte mit einer Hand die Tränen fort – Bilder von Situationen, in denen er ebendies bei ihr getan hatte, drängten sich in seinen Kopf, füllten seinen Verstand mit der Vergangenheit, die er die ganze Zeit hatte sehen wollen, jedoch nicht hätte ertragen können.
„Du bist endlich zuhause...“, sagte sie, die Stimme nur ein Flüstern, rau und angestrengt von zuvielen Tränen, doch Arcadios konnte sich kein schöneres Geräusch vorstellen.
Er erwiderte das Lächeln ein wenig zittrig, ungewohnt, und doch war es ein Lächeln, bevor er ihr antwortete, die Stimme ebenso rau und heiser wie die ihre – und doch war sie ihm vertraut, und dieses Gefühl übertrumpfte alles.
„Mein Zuhause ist dort, wo du bist.“


Scherbe um Scherbe fand ihren Weg aus dem lautlosen Nichts zurück, bildeten die alte, silbrige Fläche seines alten Selbst, fügten sich zusammen, bis er sich selbst wieder klar darin erkennen konnte – mitleiderregend sah er aus, tränenübertrömt, die hellen Augen gerötet, bleich für seine Verhältnisse.
Und doch er konnte nicht anders als lächeln.

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