Dienstag, 30. September 2014

04. Nacht des Verrates

04. Nacht des Verrates
Länge: 733 Wörter
Genre: Drabble, Angst
Fandom: Fairy Tail
Charakter(e): Makarov Dreyar, Precht/Hades

Ein Beitrag zum Projekt "30 Nächte" von Fanfiktion.de, das ich vor einer halben Ewigkeit mal in Angriff genommen habe.
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Die lächerlichen Gerüchte, dass Makarov ernsthafte Komplexe aufgrund seiner geringen Körpergröße habe, waren nichts weiter als das – Gerüchte. Fairy Tails wohlbekannter Gildenmeister hatte sich noch nie in irgendeiner Weise klein gefühlt, selbst in der Anwesenheit wesentlich größerer Personen – dank seiner Titanen-Magie konnte er diesen Umstand ohnehin nach Belieben ändern.
Es war jedoch vollkommen gleich, wie sehr ihn diese Magie in die Höhe schießen ließ, verglichen mit diesem Mann fühlte er sich winzig. Verglichen mit Precht war er noch immer der Jungspund, der damals zum künftigen Gildenmeister erkoren wurde. Verglichen mit Hades fühlte er sich wieder wie der hitzköpfige, unerfahrene Grünschnabel von damals.
Ich habe zu dir aufgesehen. Du warst damals mehr, als nur unser Meister, du warst Inspiration.“
Hades' Mantel war schwärzer als die tiefste Nacht, sein Körper nur mehr eine Silhouette im Griff der ebenso nachtschwarzen Umgebung.
„Nicht jede Inspiration bringt ein Meisterwerk hervor, Junge.“

Selbst nach seinem Tod war Hades' Stimme noch so spöttisch und verachtend wie damals auf der Insel Tenrou. Makarov ballte die Hände zu zitternden Fäusten, ein Bildnis ohnmächtigen Zorns vor einer Wand aus stahlharter Ruhe.
„Aber sie bringt dennoch etwas hervor! All das, was du uns gelehrt hast, über den Ursprung der Magie – wie konntest du genau das einfach so wegwerfen?“Die Dunkelheit um Hades' Körper bewegte sich leicht und es wirkte fast so, als zuckte er mit den Schultern in einer Geste gelangweilter Gleichgültigkeit.
„Manches opfert man für einen größeren Zweck. Im Vergleich zum Ursprung der Magie war diese Gilde nichts, Makarov.“Die Worte der Silhouette schienen Makarovs Herz förmlich zu zerquetschen.
„All das, was du uns gelehrt hast, war also eine Lüge? Bedeutungslos? Eine Farce?! Lächerlich!“Er wollte diese Worte wütend in die Dunkelheit vor ihm hineinspucken, doch stattdessen wurden sie ein heiseres Flüstern.
Die Silhouette schwieg und Makarov fuhr fort.
„Wie kannst du Mavis' Erbe so beschmutzen? Sie hat dir alle Geheimnisse Fairy Tails anvertraut, unsere Gesinnung, unsere gesamte Lebensweise, und du wirfst sie einfach weg, sobald sich dir ein neues Ziel präsentiert? Der Precht, den ich kannte, hätte so etwas nie getan!“Zu mehr als einem Flüstern war er noch immer nicht in der Lage – und doch brannte seine Kehle, als habe er pausenlos geschrien, seinem Zorn, seiner Enttäuschung und Frustration freie Bahn geschaffen.
Die Silhouette schwieg noch immer. Bis sich die Dunkelheit plötzlich zusammenzog und wieder ausdehnte, so als würde sie atmen, in kleinen, ruckartigen Bewegungen – Makarov beobachtete es, für einen Moment erstaunt, bevor er erkannte, dass es kein Atmen war – sondern ein Lachen. Die Silhouette lachte.
„Was willst du von mir hören, Bengel? Dass ich euch verraten habe? Das habe ich! Dass ich Mavis' Erbe mit Füßen getreten habe? Auch das habe ich getan. Dass ich Fairy Tail freiwillig den Rücken kehrte, um den Ursprung aller Magie zu finden? Auch das! Und weiterhin, dass ich dir eine Gesinnung vermittelte, an die du, mein gelehriger Schüler-“ er schnaubte amüsiert - „-nun mit mehr Vehemenz verteidigst, als ich es je getan habe?“Die Silhouette verfiel wieder in Schweigen, jedoch nur für einen kurzen Moment, bevor sie fortfuhr.
„Ja, auch das. Es nennt sich Verrat, Junge. Ich habe Mavis verraten, Fairy Tail, meine Kameraden, und auch dich. Und ich würde es wieder tun.“Makarov wollte antworten, doch kein Laut kam aus seiner Kehle. Er stand nur da, eine starres Bild resignierter Enttäuschung, niederschmetternder Erkenntnis.
„Glaube weiterhin an das, was ich dich gelehrt habe, denn es ist das, was deine Gilde ausmacht. Meine Zeit ist hiermit vorüber und mit meinem Tod bricht deine Ära nun vollkommen an.“
Für einen Moment zog sich die Dunkelheit zurück, enthüllte Prechts, Hades' Gesicht für einen Augenblick, der kaum länger als eine Sekunde war. Und doch reichte es aus, um Makarov das kleine Lächeln erblicken zu lassen, welches auf Hades' Lippen lag.
„Führe Fairy Tail fort. Und bleib standhafter, als ich es war, Makarov.“Es dauerte nur eine Sekunde – vielleicht weniger. Die Dunkelheit zog sich zusammen, umhüllte die Silhouette vollkommen. Unwillkürlich streckte Makarov die Hand aus, seine Lippen formten die Worte, ohne dass er sie wirklich aussprach, und doch hörte er sie deutlich.
„Warte, Meister!“
Er spürte das Pulsieren der Dunkelheit nun mehr, als dass er es sah – wieder ein Lachen.
„Meister...? Du bist jetzt der Meister, Makarov.“Seine Fingerspitzen streiften die Dunkelheit nur ganz kurz – dann zerbarst sie in eine Welle aus gleißendem Licht.

Makarov schlug die Augen auf.  

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